Tunnel gesperrt, Plan geändert – Roadtrip nach Südtirol

Ein spontaner Roadtrip nach Südtirol, gesperrte Straßen, eine schwierige Stellplatzsuche und beeindruckende Berglandschaften rund um den Reschensee: Auf diesem Kurztrip läuft nicht alles nach Plan – und genau das macht ihn besonders.
Am Flüelapass ist noch Winter

Zwischen Flüelapass und Planänderung

Ich bin wiedermal unterwegs. Diesmal hat es mich nach Italien verschlagen, genauer gesagt an den Reschensee in Südtirol. Meine Reise startet am späten Nachmittag. Bereits vorab habe ich mir mehrere mögliche Übernachtungsplätze herausgesucht – verschiedene Wanderparkplätze auf der italienischen Seite der Grenze zwischen der Schweiz und Italien.

Der eigentliche Plan sah vor, den Schweizer Nationalpark zu besuchen und anschließend über den Reschenpass wieder zurückzufahren. Aber es kommt anders.

Während ich den noch hochwinterlichen Flüelapass überquere und mich dabei schon auf mein Nachtlager freue, ahne ich noch nicht, dass eine gesperrte Straße meine Pläne komplett über den Haufen werfen wird. Ausgerechnet auf den letzten Kilometern ist ein Tunnel bis Ende Mai gesperrt. Einfach umfahren lässt sich das im hochalpinen Raum nicht gerade unkompliziert lösen – der Umweg wäre enorm.

Eine Alternative muss also her. In der Nähe gibt es zwar viele Wanderparkplätze, allerdings befinde ich mich mitten im Nationalpark und dort gilt ein strenges Übernachtungsverbot. Einen Campingplatz auf gut Glück nach 21:00 Uhr noch anzufahren ergibt ebenfalls wenig Sinn. Zumal sich der nächstgelegene gut 30 Kilometer entfernt befindet und es in dessen Nähe auch keine weiteren Alternativen gibt.
Glurns

Stellplatzsuche in Glurns

Park4Night hilft mir schließlich aus der Patsche. Glurns liegt auf italienischer Seite der Grenze auf der Route zum Reschenpass. Dort soll es einen kostenpflichtigen Parkplatz geben, auf dem das Übernachten zumindest geduldet wird.

Damit durchquere ich an diesem Abend nicht nur den Nationalpark, sondern überquere im Halbdunkel auch noch den Ofenpass. Soweit ich während der Fahrt noch etwas erkennen kann, scheint es eine wirklich schöne und einsame Gegend zu sein.

Wie in der App beschrieben, gibt es auf dem Parkplatz offenbar keine Verbotsschilder. Zudem ist er bis 08:00 Uhr kostenfrei. Vorsichtshalber löse ich dennoch ein Parkticket bis 10:00 Uhr – 3 Euro sind dafür absolut in Ordnung.

Leider ist der Platz anders als beschrieben alles andere als ruhig. Gegenüber liegt ein Gewerbegebiet und die ganze Nacht ist das Brummen einer Kühlanlage zu hören. Gegen 06:00 Uhr setzt zudem der Berufsverkehr ein. An Schlafen ist nicht mehr zu denken.

Ziemlich verschlafen beschließe ich, noch eine kleine Runde durch das wirklich schöne Städtchen zu unternehmen. Vielleicht gibt es ja irgendwo einen heißen Kaffee. In puncto Kaffee bleibe ich zwar erfolglos, aber nach der kleinen Morgenrunde fühle ich mich trotzdem halbwegs fit.
Kirchturm von Alt-Graun

Am Reschensee und beim Kirchturm von Alt-Graun

Für 11:00 Uhr habe ich mich für eine Online-Vortragsreihe der IHK angemeldet. Bis dahin habe ich noch etwas Zeit. Also beschließe ich, mir einen ruhigen Parkplatz am Reschensee zu suchen. Tagsüber, unter der Woche und noch dazu außerhalb der Ferienzeit ist das kein Problem.

Schneller als gedacht werde ich fündig und es bleibt noch genug Zeit, dem Wahrzeichen des Reschensees einen Besuch abzustatten: dem historischen Kirchturm von Alt-Graun, der heute mitten im Wasser steht und das einzige Überbleibsel des Dorfes ist, das für den Stausee abgerissen und geflutet wurde.

Der Pegel des Stausees liegt momentan sehr niedrig. Normalerweise würde der Turm jetzt im Trockenen stehen. Ein aufgeschütteter Damm verhindert dies und ermöglicht es zudem, den Turm bei diesem niedrigen Wasserstand zu umrunden – was ich natürlich auch tue.

Übermäßig spektakulär ist das Ganze zwar nicht, aber wenn man schon einmal dort ist, sollte man es sich ruhig anschauen.
Langtauferer Tal

Unterwegs im Langtauferer Tal

Für das Ganze habe ich mir heute relativ viel Zeit gelassen. Etwa eine Stunde später bin ich wieder im Camper. Es folgt ein einstündiger Vortrag zum Thema KI. In der vorgestellten Form werde ich das zwar erstmal nicht einsetzen, aber interessant ist es trotzdem zu sehen, was inzwischen möglich ist und welche Erfahrungen andere damit gemacht haben.

Pünktlich um 12:00 Uhr ist der Vortrag zu Ende und es stellt sich erneut die Frage: Wie geht es heute weiter? Warum nicht einfach mal der Straße in die Berge folgen?

Gesagt, getan.

Von meinem Parkplatz aus führt eine Straße in ein Seitental, der ich mit meinem Camper bis zum Ende folge. Dort gibt es einen großen Parkplatz und einen tollen Blick weiter hinein ins Tal und auf die dahinterliegenden Berge.

Auch wenn immer wieder leichte Schauer vom Himmel fallen, beschließe ich, hier eine kleine Wanderung zu starten. Der Camper bleibt also im kleinen Dorf Melag stehen und ich folge dem Weg weiter hinein ins Tal – die verschneiten Berge und Gletscher immer vor Augen. Eine traumhafte Ecke. Noch dazu bin ich heute praktisch alleine unterwegs.

Gelegentlich fallen ein paar Tropfen, was mich allerdings nicht weiter stört. Ich genieße es, entlang des ausgewaschenen Flussbetts zu wandern.

Allzu groß soll die Wanderung allerdings nicht werden. Zum einen merke ich, dass mir ein wenig Schlaf fehlt, zum anderen möchte ich eine Stellplatzsuche wie in der vergangenen Nacht vermeiden.
Langtauferer Tal

Ruhige Nacht am Haidersee

Der nächstgelegene und gleichzeitig günstigste Stellplatz der Gegend befindet sich am Haidersee im Ort St. Valentin auf der Haide, nur wenig unterhalb des Reschensees.

In der Nebensaison kann man dort für 18 Euro übernachten. Dazu gibt es Ver- und Entsorgung, sanitäre Anlagen und vor allem: Ruhe.

Ich ergattere einen der letzten Plätze. Kuschelcamping ist angesagt. Für diese Nacht ist mir das aber egal.
Eisenbahnwelt Südtirol

Besuch der Eisenbahnwelt Südtirol

Der nächste Morgen – ich habe ein neues Ziel.

Da ich nur rund 50 Kilometer von der Eisenbahnwelt Südtirol entfernt bin, entschließe ich mich dazu, die Anlage in der Nähe von Meran mal wieder zu besuchen.

Die Fahrt zieht sich. Zwischen Reschenpass und Meran sorgen mehrere Baustellen und viel Verkehr für zähes Vorankommen. Aber ich habe es nicht eilig.

Die Eisenbahnwelt besteht im Wesentlichen aus zwei Anlagen und einer Ausstellung mit Trucks und Zügen. Eine Anlage zeigt eine deutsche Mittelgebirgslandschaft, die andere Highlights aus Südtirol.

Beide Anlagen sind mit unglaublich vielen Details ausgeschmückt und wirklich sehenswert. Während die deutsche Mittelgebirgsanlage vor allem mit viel Fahrbetrieb punkten kann, sind es bei der Südtirolanlage insbesondere die vielen regionalen Gebäude und die passende Landschaftsgestaltung. Aber natürlich gibt es auch dort reichlich Fahrbetrieb.

Auch die Ausstellung der Modelltrucks und Züge im Obergeschoss ist schön gestaltet – teilweise mit wirklich sehenswerten Dioramen.

Alles in allem ein lohnenswerter Besuch, auch wenn die Anlagen im Vergleich zu großen Modellbahnanlagen in Deutschland eher klein wirken.
Haidersee

Entspannung am Haidersee

Nach dem Besuch stellt sich wiedermal die altbekannte Frage: Was jetzt?

Nach einigem Hin und Her entschließe ich mich dazu, nochmals den Stellplatz der vergangenen Nacht aufzusuchen, eine Kleinigkeit zu essen und anschließend den Haidersee zu umrunden.

Abgesehen davon, dass auf das Mittagessen noch ein kleiner Mittagsschlaf folgt, wird der Plan genauso umgesetzt.

Um den See führt ein sehr schöner Wanderweg. Überall gibt es Bänke und Tische, die dazu einladen, einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Dazu eine herrliche Umgebung und ein toller Blick auf die umliegenden Berge.

Eine wirklich schöne und entspannte kleine Runde – was mir auch meine Camperkollegen auf dem Stellplatz bestätigen.
Haidersee

Ein merkwürdiger Morgen und die Heimreise

Am Abend wird noch ein wenig gearbeitet. Bild- und Videomaterial muss gesichert und sortiert werden, Artikel für die Homepage werden vorbereitet, Kommentare auf YouTube beantwortet und nebenbei schaue ich noch, was andere Reiseblogger aktuell berichten.

Am nächsten Morgen passiert dann etwas Seltsames.

Nachdem ich bereits um 07:00 Uhr wach bin und überlege, ob ich die Heizung einschalte oder einfach noch etwas im Schlafsack liegen bleibe, bis die Sonne den Camper ein wenig erwärmt hat, scheint es plötzlich einen Zeitsprung gegeben zu haben.

Denn als ich kurz darauf erneut auf die Uhr schaue, ist es bereits halb zwölf. Im Camper ist es deutlich wärmer geworden und die Camper um mich herum scheinen verschwunden zu sein.

Ob sich dieses Rätsel jemals lösen lässt?

Kurzer Zwischenstopp auf der Rückreise
Inzwischen ist Freitag und es soll heute nach Hause gehen. Über den Reschenpass geht es in Richtung Fernpass. Die Pfingstreisewelle kommt mir dabei entgegen. Während in der Gegenrichtung dichter Verkehr herrscht, kann ich recht entspannt und ohne größere Behinderungen die Heimreise antreten.

Lediglich Polizei- und Grenzkontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze bringen den Verkehr etwas zum Stocken. Ich darf jedoch unbehelligt passieren.

So geht wiedermal ein sehr schöner Kurztrip zu Ende.
Veröffentlicht: 23.05.2026
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