Vom südlichsten Punkt Norwegens Richtung Nordkap – Der Weg ist das Ziel

Nach der Überfahrt von Hirtshals nach Kristiansand beginnt endlich meine Reise durch Norwegen. Eigentlich möchte ich möglichst bald in den Norden. Doch da ist diese Idee, die mir schon seit einigen Tagen durch den Kopf geht: Warum nicht am südlichsten Punkt Norwegens starten und von dort bis zum Nordkap fahren? Diesmal habe ich schließlich etwas, das mir bei meinen früheren Reisen oft gefehlt hat – Zeit.
Blick vom Lindesnes Fyr

Endlich Norwegen

Nach einer ruhigen Überfahrt von Hirtshals nach Kristiansand erreiche ich endlich Norwegen.

Mein eigentliches Ziel liegt weit im Norden, oberhalb des Polarkreises. Dafür hätte es sicherlich bessere Fährverbindungen gegeben als ausgerechnet nach Kristiansand.

Wäre da nicht eine besondere Idee, die mir schon seit einigen Tagen im Kopf herumgeistert.

Unweit von Kristiansand befindet sich der Leuchtturm Lindesnes Fyr am südlichsten Punkt des norwegischen Festlandes.

Warum also nicht vom südlichsten zum nördlichsten Punkt dieses wunderschönen Landes fahren?

Als ich 2023 zuletzt am Lindesnes Fyr war, hatte ich schon einmal kurz darüber nachgedacht. Damals hätte ich für den Hin- und Rückweg allerdings gerade einmal zweieinhalb Wochen Zeit gehabt. Die kürzeste Verbindung bis zum Nordkap ist rund 2.400 Kilometer lang und hätte mich größtenteils durch Schweden geführt.

Damals war mir das zu knapp.

Diesmal habe ich aber etwas, das ich damals nicht hatte:

Zeit.

Warum also den Traum von damals nicht verwirklichen? Oder es zumindest versuchen.
Lindesnes Fyr

Start am Lindesnes Fyr

Mein erstes Ziel ist damit klar: Lindesnes Fyr.

Bei meinem letzten Besuch peitschten meterhohe Wellen gegen die schroffe Küste. Dazu gab es Sturm, Regen und Nieselregen.

Diesmal zeigt sich Lindesnes etwas freundlicher. Einige kurze Regenschauer ziehen vorbei, Sturm und Wellen halten sich dagegen in Grenzen. Kurzzeitig lässt sich sogar die Sonne blicken.

Auch wenn ich schon einmal hier war, ist Lindesnes für mich noch immer ein lohnendes Ziel. Das Kino im Berg, die alten Bunkeranlagen und natürlich der Leuchtturm selbst sorgen dafür, dass ich hier wieder einige Zeit verbringe.

Dann geht es weiter.

Ab jetzt führt der Weg nach Norden.
Irgendwo im Süden Norwegens

Autobahnen? Nein, danke!

Zunächst zieht es mich etwas weiter ins Landesinnere.

Wie immer habe ich meinem Navi Autobahnen und Mautstraßen in Norwegen verboten. Erfahrungsgemäß landet man so auf den interessanteren Straßen.

Allerdings selten auf den schnellsten.

Was mich diesmal überhaupt nicht stört – denn ich habe ja Zeit.

Am Abend lande ich schließlich auf einem Parkplatz an einer Badestelle. Ein guter Platz für die Nacht.
Pause

Planlos durch die Telemark

Die folgenden beiden Tage geht es mehr oder weniger planlos über kleine Straßen in Richtung Oslo.

Zu sehen gäbe es auf der Strecke einiges. Hier und da lege ich eine Pause ein und erkunde ein wenig die nähere Umgebung, hauptsächlich genieße ich aber einfach die Fahrt.

Irgendwann werfe ich allerdings einen Blick in den Kalender.

Vielleicht sollte ich doch nicht ganz so sehr trödeln.

Schließlich möchte ich das Nordkap noch im Herbst erreichen und nicht erst im tiefsten Winter. Die Telemark ist ein Ziel, das sich auch während eines dreiwöchigen Urlaubs relativ gut erreichen lässt. Bei Lappland und dem Nordkap sieht das schon etwas anders aus.

Etwas, das ich auch nach zahlreichen Norwegenreisen immer wieder gerne unterschätze, sind die Entfernungen – und vor allem die Zeit, die man für sie benötigt.

So vergehen zwei Tage, bis ich Kongsberg erreiche.

Zugegeben: Schnell bin ich wirklich nicht unterwegs. Ein paar Kilometer mehr am Tag wären durchaus möglich gewesen.

Aber auf einen Tag hin oder her kommt es nun auch nicht an.
Silbermine Kongsberg

Wieder einmal in Kongsberg

Es ist Sonntagabend, als ich den Stellplatz beim alten Silberbergwerk in Kongsberg erreiche.

Ich kenne ihn bereits von früheren Reisen und habe hier schon öfter übernachtet.

Nur eines habe ich bisher noch nie geschafft: zu einer Zeit hier zu sein, zu der auch das Museum geöffnet hat.

Auch diesmal nicht.

Dabei scheint es durchaus interessant zu sein.
Vielleicht klappt es ja irgendwann.
Norwegisches Eisenbahnmuseum

Norwegen oder Schweden?

Langsam muss ich mir Gedanken darüber machen, wie es weiter Richtung Norden gehen soll.

Soll ich Trondheim ansteuern und komplett durch Norwegen fahren? Oder nehme ich eine etwas kürzere Route durch Schweden?

Ein Faktor, den ich dabei nicht völlig außer Acht lassen sollte, sind die Spritpreise. In Norwegen kostet mich der Diesel zu diesem Zeitpunkt teilweise zwischen 2,40 und 2,80 Euro pro Liter. In Schweden liegt der Preis knapp über zwei Euro und damit deutlich niedriger.

Nach einiger Überlegung entscheide ich mich für einen Kompromiss:

Ich bleibe zunächst in Norwegen und fahre über Hamar bis nach Røros. Erst dort soll es über die Grenze nach Schweden gehen.

Und auf dem Weg warten noch zwei Ziele auf mich.
Norwegisches Eisenbahnmuseum

Das Norwegische Eisenbahnmuseum in Hamar

Das Norwegische Eisenbahnmuseum in Hamar hatte ich bereits bei einer meiner früheren Norwegenreisen entdeckt. Damals blieb allerdings keine Zeit mehr für einen Besuch.

Diesmal ist das anders.

Und der Besuch lohnt sich.

In der Haupthalle stehen neben einigen besonderen Lokomotiven und Wagen auch mehrere schön gestaltete Dioramen, die den Eisenbahnverkehr in verschiedenen Regionen Norwegens zeigen.

Ein großer Teil des Museums befindet sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite und ist dort in ein weitläufiges Freilichtgelände integriert.

Neben weiteren Hallen mit Lokomotiven und Wagen gibt es sogar eine kurze Museumsbahn mit Stellwerk, Bahnhof und verschiedenen Nebengebäuden. Während der Hauptsaison verkehren hier Züge zwischen den einzelnen Stationen.

Jetzt in der Nebensaison muss ich die Strecke allerdings zu Fuß zurücklegen.

Was nicht weiter schlimm ist.

Das Gelände liegt in einem schön angelegten Park direkt am Mjøsa. Dazu kommen weitere historische Gebäude des Freilichtmuseums. Diese sind zwar nicht geöffnet, lassen sich aber zumindest von außen anschauen.

Für mich hat sich der Abstecher nach Hamar auf jeden Fall gelohnt.
Größter Elch der Welt

Ein ziemlich großer Elch

Nach dem Museumsbesuch geht es weiter Richtung Røros.

Unterwegs wartet allerdings noch ein etwas ungewöhnlicher Zwischenstopp auf mich:
der „größte Elch der Welt“.

Mit seinen 10,5 Metern Höhe ist er tatsächlich schwer zu übersehen.

Ein paar Kilometer später reicht es mir für diesen Tag. Ich finde einen Rastplatz und mache Feierabend.
Røros

Zurück in Røros

Røros kenne ich bereits von meiner allerersten Norwegenreise im Jahr 2017.

Die alte Bergbaustadt mit ihren zahlreichen historischen Gebäuden und der riesigen Abraumhalde ist mir damals in Erinnerung geblieben.

Die riesigen Schlackehalden können vollständig begangen werden. Besonders auffällig ist, wie karg sie selbst nach Jahrzehnten und teilweise Jahrhunderten noch wirken. Die Halden bestehen aus den Rückständen der jahrhundertelangen Kupferverhüttung in Røros. Auf dem groben Material konnte sich kaum Boden entwickeln, Wasser und Nährstoffe werden nur schlecht gespeichert. Hinzu kommen das raue Klima der Hochebene und die mineralischen Rückstände des Bergbaus. Keine besonders guten Voraussetzungen also, damit sich die Natur die Halden zurückerobert.

Røros liegt auf einer Hochebene weit entfernt von der Küste und gehört zu den kälteren Orten Norwegens.

Nach meinem Rundgang über die Abraumhalde drehe ich noch eine Runde durch die Stadt.

Das Bergwerksmuseum lasse ich diesmal aus. Von meinem letzten Besuch kann ich es allerdings durchaus empfehlen.
Letzte Übernachtung in Norwegen

Ein letzter ruhiger Abend in Norwegen

Mit Røros endet meine erste Etappe durch Norwegen.

Von hier aus setze ich meine Fahrt Richtung Schweden fort. Kurz vor der Grenze lege ich noch einmal eine Übernachtungspause an einer Badestelle ein.

Um diese Jahreszeit habe ich den Platz komplett für mich allein.

Eine herrliche Ruhe.

Wie es dort weitergeht, erfährst du im nächsten Artikel.

Morgen geht es nach Schweden.

Und damit beginnt der nächste Abschnitt meiner Reise Richtung Norden.
Veröffentlicht: 29.09.2026
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