Flatruet und Vildmarksvägen – Ein Abstecher nach Schweden

Von Røros führt meine Reise über die Grenze nach Schweden. Auf dem Weg Richtung Norden zieht es mich noch einmal auf die Flatruet, die ich bereits von einer früheren Reise kenne. Diesmal bleibe ich sogar über Nacht auf der Hochebene. Anschließend warten einsame Schotterpisten, die ersten Rentiere dieser Tour und mit der Vildmarksvägen eine Strecke auf mich, an der ich bisher immer nur vorbeigefahren bin.
Flatruet

Von Norwegen nach Schweden

Vom norwegischen Røros aus geht es über die Grenze nach Schweden. Hier locken nicht nur günstigere Dieselpreise, sondern auch einige Ziele, die ich mir für diese Etappe vorgenommen habe.

Das erste davon ist Flatruet.

Die Straße über die Hochebene ist größtenteils nicht asphaltiert. Eine einfache Schotterpiste führt hinauf auf eine Höhe von fast 1.000 Metern.

Ganz neu ist die Strecke für mich nicht. Bereits 2021 war ich hier unterwegs. Damals hatte ich auf der Passhöhe allerdings nur einen kurzen Stopp eingelegt.

Diesmal habe ich mehr Zeit.
Flatruet im Nebel

Eine Nacht auf der Flatruet

Das Wetter könnte zunächst besser sein. Die Hochebene liegt unter dichten Wolken und teilweise im Nebel.

Also mache ich erst einmal das Beste daraus.

Es wird etwas ausgiebiger gekocht, anschließend ein wenig gearbeitet – und siehe da: Irgendwann hat sich der Nebel verzogen.

Gegen Abend unternehme ich noch eine kleine Runde über die Hochebene. Dabei fällt die Entscheidung:

Ich bleibe über Nacht hier.

In der Ferne entdecke ich zwei weiße Rentiere. Es sind die ersten Rentiere auf dieser Reise.

Jetzt fühlt es sich langsam wirklich nach Norden an.
Flatruet Passhöhe ohne Nebel

60 Kilometer Schotterpiste

Am nächsten Morgen geht es weiter. Mein nächstes Ziel ist Strömsund, der Ausgangspunkt für die Vildmarksvägen.

Für den Weg dorthin hat sich Google Maps allerdings etwas Besonderes für mich einfallen lassen.

Kaum habe ich die Schotterpiste über Flatruet hinter mir und endlich wieder Asphalt unter den Rädern, werde ich erneut auf eine Schotterstraße geschickt.

Und diesmal bleibt es ein ganzes Stück dabei.

Mehr als 60 Kilometer geht es einsam durch die schwedischen Wälder.

In der Nacht hat es etwas geregnet und so bekommt mein Camper dabei eine ordentliche Patina verpasst. Abgesehen von Wald gibt es auf dieser Strecke nicht besonders viel zu sehen.

Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – macht es richtig Spaß, hier entlangzufahren.
Nach 60km Schotterpiste

Wenn Rentiere die Straße übernehmen

Kurzzeitig werde ich dann doch ausgebremst.

Eine kleine Rentierherde hat es sich mitten auf der Piste bequem gemacht und sieht offenbar keinen Grund, dem roten Camper aus Deutschland besonders schnell Platz zu machen.

Also heißt es warten.

Aber auch das gehört zu Schweden.

Und es gibt sicherlich schlimmere Gründe für einen ungeplanten Zwischenstopp.

Irgendwann sind die Rentiere der Meinung, dass ich weiterfahren darf, und die Reise geht weiter.
Blick vom Campingplatz in Strömsund

Über den Inlandsvägen nach Strömsund

Schließlich endet die Schotterpiste und kurze Zeit später lande ich auf dem schwedischen Inlandsvägen.

Die Fernstraße führt über weite Strecken durch das Landesinnere Schwedens und ist meiner Erfahrung nach eine ziemlich schnelle Möglichkeit, Richtung Norden zu kommen.

Doch heute möchte ich gar nicht möglichst schnell zum Polarkreis.

Mein Ziel heißt Strömsund.

Von hier aus will ich am nächsten Morgen auf die Vildmarksvägen starten.

Da es Ende September langsam schwieriger wird, noch geöffnete Campingplätze zu finden, nutze ich die Gelegenheit und verbringe eine Nacht auf einem Campingplatz.

Die Dusche tut richtig gut. Außerdem kann ich meine Powerstations laden und die Wasservorräte auffüllen.

Dann bin ich bereit für die nächsten Tage.
Vildmarksvägen

Endlich auf die Vildmarksvägen

An der Vildmarksvägen bin ich während früherer Reisen schon mehrfach vorbeigefahren.

Für die rund 500 Kilometer lange Rundstrecke fehlte mir allerdings jedes Mal die Zeit.

Diesmal ist das anders.

Die komplette Runde werde ich zwar auch diesmal nicht fahren. Nach ungefähr 300 Kilometern möchte ich die Strecke verlassen und weiter Richtung Norwegen fahren.

Aber immerhin.

Wenn ich die Vildmarksvägen auf dieser Reise kennenlernen möchte, dann jetzt. Der höchste Abschnitt über das Stekenjokk-Plateau wird im Winter für mehrere Monate gesperrt und wäre auf meiner Rückreise keine Option mehr.

Also los.
Vildmarksvägen

Herbstfarben entlang der Vildmarksvägen

Bei herrlichem Sonnenschein geht es hinein in die schwedische Wildnis.

Die Straße führt durch Wälder und vorbei an großen Seen. Besonders beeindruckend sind Ende September die Herbstfarben. Gelb, Orange und Rot begleiten mich über weite Teile der Strecke.

Spätestens ab Gäddede wird es für mich besonders interessant.

Langsam führt die Straße hinauf zum Stekenjokk-Plateau.

Die Landschaft verändert sich. Die Wälder verschwinden und machen einer offenen, rauen Hochebene Platz.

Genau solche Landschaften haben mich schon bei meiner ersten Norwegenreise 2017 fasziniert. Seitdem zieht es mich immer wieder auf diese kargen Hochebenen zurück.
Stekenjokk Vildmarksvägen

Eine Nacht auf dem Stekenjokk

Auf dem Plateau gibt es große Parkflächen, auf denen Wohnmobile über Nacht stehen dürfen.

Ein Angebot, das ich gerne annehme.

Einer der Vorteile, wenn man Ende September hier unterwegs ist: Es sind nur noch wenige andere Camper unterwegs. Große Gedanken darüber, ob am Abend irgendwo noch ein Platz frei ist, muss ich mir kaum machen.

Einfach hinfahren und schauen, was passiert.

So macht Reisen Spaß.
Stekenjokk Vildmarksvägen

Das Wetter ändert sich

Am nächsten Morgen zeigt sich das Stekenjokk von einer anderen Seite.

Die Sonne ist verschwunden. Es ist windig, regnerisch und merklich kühler geworden.

Kein besonders guter Tag für lange Wanderungen.

Dafür ein ziemlich guter Tag, um ein paar Kilometer Richtung Norden zu machen.

Ganz ohne Zwischenstopp geht es allerdings nicht.
Trappstegsforsen

Trappstegsforsen – Wasserfall in Stufen

Am Trappstegsforsen halte ich noch einmal an.

Über eine breite Felsformation fließt das Wasser hier in mehreren Stufen nach unten. Dadurch wirkt der Wasserfall tatsächlich ein wenig wie eine riesige natürliche Treppe.

Trotz des schlechten Wetters lohnt sich der kurze Stopp.

Für mich ist der Trappstegsforsen eines der Highlights entlang der Vildmarksvägen.
Übernachtung kurz vor der Grenze

Noch einmal volltanken

Wenig später verlasse ich die Vildmarksvägen.

Mein nächstes größeres Ziel ist Mo i Rana in Norwegen.

Das regnerische Wetter eignet sich nicht nur hervorragend dazu, Strecke zu machen. Es ist auch eine gute Gelegenheit, die Vorräte im Camper wieder aufzufüllen.

Und bevor es zurück nach Norwegen geht, bekommt auch mein Camper noch einmal etwas zu trinken.

Umgerechnet rund 1,95 Euro pro Liter Diesel – der bisher günstigste Preis auf dieser Reise.

Das nehme ich gerne mit.

Eine letzte Nacht in Schweden

Kurz vor der norwegischen Grenze ist für heute Schluss.

An einer Grillstelle entlang der Strecke finde ich einen ruhigen Platz für die Nacht.

Hinter mir liegen Flatruet, jede Menge Schotterpiste, die ersten Rentiere dieser Reise und rund 300 Kilometer Vildmarksvägen.

Vor mir liegt wieder Norwegen.

Und langsam rückt ein ganz besonderes Ziel näher:

der Polarkreis.
Veröffentlicht: 01.10.2026
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